Mit einem Festakt eröffnete die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz (SFPM) heute das Themenjahr „FRAUENREICH“. Anlass ist der 250. Geburtstag von Gräfin Lucie Hardenberg-Reventlow, verheiratete Fürstin Lucie Pückler-Muskau (1776-1854), die im Mittelpunkt der diesjährigen Saison in Park und Schloss Branitz steht.
Im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Kultur und der Familien von Pückler und von Hardenberg wurde deutlich, welche zentrale Lucie als intellektuelle Partnerin, gesellschaftlich bedeutende Persönlichkeit und gestalterische Impulsgeberin an der Seite des berühmten Fürsten Pückler hatte. Für die hochfliegenden Ideen des Fürsten, für die privaten Parkprojekte in Muskau und Branitz war Fürstin Lucie Pückler kluge und stringente Umsetzerin, weswegen sie als „Grüne Fürstin“ in die Geschichte einging.
Elke Gräfin Pückler unterstreicht die anhaltende Bedeutung der Fürstin für die Familie: „Lucie Pückler steht für unsere Familie bis heute für Haltung, Bildung und Gestaltungskraft. Es ist bewegend zu sehen, wie ihr Wirken heute von der Stiftung, den Gärtnern, Kuratoren und Unterstützern in Branitz neu gewürdigt wird.“
Brandenburgs Kulturstaatssekretär Tobias Dünow betont die Relevanz des Themenjahres: „Mit dem Themenjahr FRAUENREICH holt die Stiftung Lucie von Pückler aus dem Schatten ihres berühmten Mannes – zu Recht. Denn Lucie zeigt, dass hinter berühmten Namen oft stille Architektinnen stehen: Sie förderte, schützte und inspirierte ihren ‚Lou’ und prägte das ‚Gesamtkunstwerk Branitz‘, das die Stiftung heute bewahrt und erforscht. Lucie war eine der unkonventionellsten und originellsten Frauen ihrer Zeit. Mit FRAUENREICH feiern wir nicht nur das Wirken der Grünen Fürstin, die auch ohne ihren Gatten bedeutsam wäre. Wir setzen auch ein deutliches Zeichen: Frauen verdienen ihren Platz in der Geschichtsschreibung – und ihre Leistungen sind ein Auftrag für die Zukunft unserer Gesellschaft.“
Vorstand der Stiftung, Dr. Stefan Körner: „Selbst an der Seite eines Dandys, wie Pückler oft genannt wird, steht also eine starke Frau. Daher trete ich dafür ein, den Stiftungsauftrag um den Namen der Fürstin Lucie Pückler zu erweitern. In unserem Leitbild leben wir dies bereits, wenn es dort heißt: ‚Wir erforschen und vermitteln das Erbe von Fürst und Fürstin Pückler‘. Die Stadt Cottbus geht bei dieser überfälligen größeren Ehrung mit gutem Beispiel voran und plant im 250. Geburtsjahr dieser bedeutenden Cottbuserin, die gerade in Bau befindliche und fast zwei Kilometer lange Seeachse zum Cottbuser Ostsee als Lucie-Pückler-Allee zu benennen.“
Kuratorin der Ausstellungen, Dr. Simone Neuhäuser ergänzt und berichtet zu den Highlights der Ausstellung: „Wir waren selbst überrascht, wie einflussreich die Fürstin in alle Bereiche des gestalterischen, gesellschaftlichen und auch politischen Lebens wirkte. Hierfür zeigen wir neben dem größten Exponat, der 660 Hektar großen Parklandschaft, bedeutende Objekte aus ihrem Besitz, die erstmals wieder nach Branitz zurückkehrten: ein restauriertes japanisches Lackkabinett, der wohl von Karl Friedrich Schinkel entworfene Pyramidensekretär der Fürstin, ihr Jugendbildnis sowie zahlreiche sonst nie gezeigte Briefe aus dem Familienarchiv. Das neu eingerichtete Arbeitszimmer der Fürstin zeigt anhand von Porträts, Ansichten und Objekten deren Kunstsinn und Netzwerk.“
Zum Auftakt des Themenjahres wurden zwei Sonderausstellungen eröffnet, die das Wirken der Fürstin Pückler und der ihr nachfolgenden Gräfinnen Pückler erfahrbar machen: Im Pleasureground lädt ab sofort die Open-Air-Ausstellung „Fürstin Lucie Pückler in Branitz“ dazu ein, an fünf Stationen die frühen Entwicklungsphasen des Parks nachzuvollziehen. Sie beleuchtet die ersten Umgestaltungen des Schlossumfelds und zeigt, wie entscheidend Lucie Pücklers Erfahrung und ästhetisches Gespür für die Herausbildung des Branitzer Gartenreichs waren.
Parallel dazu eröffnet im Schloss Branitz die Ausstellung „Die Dame/n des Hauses. Eine Spurensuche“ neue Einblicke in das Leben der Fürstin. Anhand von Möbeln, Asiatika, Gemälden und persönlichen Briefen entsteht ein facettenreiches Bild – von der wissbegierigen jungen Frau bis zur souveränen Gestalterin Branitz’. Zugleich richtet die Ausstellung den Blick auf weitere Frauen der Familie Pückler, die das Schloss prägten und nun verstärkt ins öffentliche Bewusstsein treten, darunter Louise Isabelle de Constant-Rebecque, die aus der Schweiz stammte, und Gräfin Ette Pückler, die die Wirren des Zweiten Weltkriegs in Branitz erlebte.
Ein besonderer Moment war die feierliche Einweihung des wiederhergestellten Kronenbeets mit dem „Schnucke-S“ auf der Westseite des Schlosses. Das von Rosen umrankte „S“ - ein persönliches Zeichen der Fürstin - ist in ein kunstvoll gestaltetes und acht Meter großes Blumenbeet mit den Initialen des Fürstenpaares eingebettet - finanziert von der Hans-und-Charlotte-Krull-Stiftung.
Auf der Ostseite des Schlosses wurden das restaurierte Muschelbeet sowie die Korallenständer mit sogenannten Mördermuscheln enthüllt - finanziert vom Verein „Fürst Pückler in Branitz“.
Diese aufwändigen und symbolisch aufgeladenen Gestaltungselemente zeugen nach über 100 Jahren wieder von der einstigen gärtnerischen Pracht des Pleasureground, den die Fürstin Lucie Pückler ab 1846 maßgeblich mitentwickelte.
Auch die Museumsshops in Branitz sind ganz auf Fürst Lucie eingestellt: Angeboten werden neben dem gerade erschienenen Buch von Dagmar von Gersdorff „Alle Schönheit, aller Zauber. Lucie und Hermann von Pückler“ (Insel Verlag), der Jahrgangssekt „Fürstin Lucie Pückler “ (Weingut Gutshaus Schorbus), der Gin „Fürstin-Lucie-Pückler“ (Spreewitz Gin) und die Bergamotte-Kräutertee-Mischung „Fürstin Lucie“ (Teehaus Schöpe) sowie zahlreiche passende Artikel zum FRAUENREICH Branitz.
Am 8. Mai, dem Todestag der Fürstin, folgt die Publikation der Stiftung zum Themenjahr, „Lucie ABC“ (edition branitz), und im September die kommentierte Neuedition der „Briefe eines verstorbenen“ (Wallstein Verlag), die Lucie Pückler vor genau 200 Jahren anregte.