
Beitrag teilen:
Aus für Solarglas-Manufakur| 28.11.2025
Nachdem der ursprünglich vorgesehene Investor seine Zusage zurückgezogen hatte und anscheinend keine Finanzierung sichern konnte, steht der Standort nun vor der endgültigen Schließung. Mit dieser Entscheidung verliert die EU den letzten Solarglas-Hersteller. Damit werden Deutschland und die EU in einem zentralen Bereich der grünen Transformation vollständig abhängig von hoch subventionierten Importen aus Asien. Das ist keine Energiewende – das ist eine industriepolitische Kapitulation in den Augen der IGBCE in der Lausitz. Die Beschäftigten sollen bereits zum 1. Dezember freigestellt werden. Die Kündigungsfristen laufen bis maximal März – dann droht die vollständige Betriebsschließung. „Nach Monaten voller Hoffnungen, Gespräche, Prüfungen und intensiver Verhandlungen ist das ein schwerer Schlag für die Belegschaft. Die Kolleginnen und Kollegen haben bis zuletzt alles getan, um dieses Werk zu retten“, sagt Anis Ben-Rhouma, stellvertretender Bezirksleiter der IGBCE Lausitz. „Dass der Investor jetzt aussteigt, lässt die Menschen im Stich und zerstört das Vertrauen, das viele in den Prozess gesetzt haben.“ Die IGBCE kritisiert insbesondere die fehlende Verlässlichkeit des Investors in den entscheidenden Wochen. „Ca. 220 Menschen und ihre Familien haben sich auf ein positives Zukunftsszenario verlassen. Dieses Verhalten ist respektlos – und es trifft die Region hart.“ Auch kritisiert die IGBCE stark, dass die Bundespolitik über Monate bzw. Jahre vorher hinweg nicht entschlossen genug gehandelt haben. „Wir haben früh und immer wieder gewarnt: Wenn hier nicht Klarheit geschaffen wird, verlieren wir nicht nur Arbeitsplätze, sondern ein strategisches Industrieelement. Doch Berlin hat zu lange gezögert und auf Marktmechanismen gehofft – während der Belegschaft die Zeit weglief“, so Vivian Madeja, Gewerkschaftssekretärin der IGBCE Lausitz. Überall wird über Resilienz, Unabhängigkeit, Lieferketten und die Zukunft der grünen Industrie gesprochen und gleichzeitig lässt man den letzten europäischen Solarglas-Standort sterben. Das ist ein Widerspruch, der nicht größer sein könnte. Die IGBCE in Nordost hat vor kurzem ihre Forderungen für die Glasindustrie gegenüber der Politik auf einem Glasforum in Magdeburg noch einmal klar adressiert. Auch Kollegen aus Tschernitz waren dabei – zu dem Zeitpunkt noch mit Hoffnung. Neben dem abgesprungenen Investor und dem fehlenden beherzten Eingreifen auf Bundesebene kritisiert die IGCBE aber auch den vormaligen Gesellschafter: die indische Muttergesellschaft Borosil. „Kurzarbeit, dann Insolvenz, dann haut man ab und zieht sich aus der Verantwortung“, so Ben-Rhouma: „So geht das nicht! Das werden wir uns alles nicht gefallen lassen und unserer Wut Ausdruck verleihen.“


